Steckbrief
Christine Thein – Klavierbauerin, Mama & Wasserliebhaberin
Christine, du wurdest in die Klavierbauerfamilie Thein hineingeboren?
Ja, mein Ururgrossvater ist 1870 von Hildesheim nach Bremen gegangen und hat dort eine Fabrik gegründet, in der er Thein-Pianos und -Flügel gebaut hat. Daraus ist dann ein Klaviergeschäft entstanden, in dem mein Vater, seine Geschwister und ich viele Jahre gearbeitet haben.

Bis heute gibt es noch ein Thein-Klaviergeschäft in Bremen. Ein anderer Thein-Onkel hat eine Blechblasinstrumentenmanufaktur. Dann gibt es noch Thein-Noten: dort werden Noten an Musiker aller Art und Orchester verkauft.

Moment mal – wie viele Tanten und Onkel hast du?
Mein Vater hat zehn Geschwister, und alle sind im Musikbereich tätig. Unsere berühmteste Familiengeschichte ist, dass auf der Titanic Thein-Pianos gewesen sind. Die Firma wurde eben in 1870 gegründet, und die Titanic ist 1912 untergegangen.

Zwischen 1850 – 1870 scheinen einige Pianounternehmen in Deutschland gegründet worden zu sein?
Ja, es war die Zeit, in der überhaupt erstmals Maschinen entwickelt wurden und man entsprechend alle Möglichkeiten hatte, auch Klaviere in grösserem Stil herzustellen.
Ich meine, zu Mozarts Zeiten (also um 1770) wurden ja auch schon die Vorläufer der heutigen Klaviere gebaut. Aber das war natürlich alles noch sehr viel langwieriger und mit viel, viel handwerklichem Geschick und Kunst verbunden.
Hast du die Klavierbaulehre denn im Familienunternehmen gemacht?
Nein, ich bin bewusst woanders hin – damals noch „in die Industrie“, zu Grotrian-Steinweg nach Braunschweig. 250 Mitarbeiter waren wir zu meiner Zeit. Danach ging es wieder zu uns in den Handwerksbetrieb nach Bremen. Den Weg würde ich so wieder machen. Wobei, heutzutage ist es anders, weil es einfach kaum noch Klavierfabriken gibt – ausser die Steingraeber-Manufaktur vielleicht, mit etwa 35 Mitarbeitern.

Danach kam eine ganze Zeit lang Nürnberg in deinem Leben?
Ja, meine zwei Töchter sind dort die letzten 18 Jahre aufgewachsen und machen nun Abitur und eine Ausbildung. Vor Piano Sigrist habe ich in Fürth einige Jahre bei Klavier Kreisel gearbeitet. In der Werkstatt war ich, aber auch sehr viel im Aussendienst unterwegs, beim Theater oder bei Hochschulen.

Hast du mal was anderes ausprobiert, ausser Klavierbau?
Um Geld zu verdienen, nicht. Hobbymässig schon – da habe ich angefangen, Goldschmiedearbeiten zu machen, alte Möbel zu restaurieren und zu polstern.
Durch meinen Vater, der auch Klavierbauer ist, habe ich schon früh als Kind viel mit Holz gemacht. Ich war schon immer handwerklich sehr interessiert, schon früh als kleines Kind in der Werkstatt. Es hat sich schnell rauskristallisiert, dass ein Bürojob nie etwas für mich gewesen wäre. Es ist schon schön, wenn du am Ende des Tages siehst, was du gemacht hast und irgendwann ein vollendetes Stück vor dir steht.

Was schmiedest du denn gerne?
Ketten, Ringe, Anhänger, Ohrstecker – was immer meine Kreativität hergibt. Aus einem Nugget Gold kannst du alles machen. Und dann ist es eben kein Schmuck von der Stange, sondern hat meinem Erachten nach wesentlich mehr Ausstrahlung.

Damals in Bremen war ich schon bei einer Goldschmiedin und habe mir früh Schmuck selbst gemacht. Das Hobby habe ich dann auch in Nürnberg weitergeführt – da hatte ich einen Bekannten, der selbst Goldschmiedemeister war und einen Laden hatte.
Und was hat dich zur Möbelrestaurierung gebracht?
Mein Vater und die Liebe zu alten Möbeln. Ich habe festgestellt, dass alte Möbel oft wesentlich individueller und stabiler sind. Sowie mehr Flair haben – besonders, wenn man Alt und Neu kombiniert, sodass sie nicht schwer, sondern leicht und gemütlich wirken.

Hast du schon von Benis Sattelschleppern voller alter Pianos gehört?
Ja, da habe ich schon von gehört. Das Lager ist auch, glaube ich, ziemlich voll, soweit ich gesehen habe. Also von daher gut, dass jetzt wieder einer losgeht nach Armenien.
Hat es denn ein Piano in den Sattelschlepper und dann in dein neues Zuhause geschafft?
Mein Klavier habe ich aus Platzgründen bei Piano Sigrist eingelagert. Aber ich habe ein kleines selbstgebautes Clavichord aus massivem Kirschbaum bei mir stehen. Das ist ein historisches Instrument, das ich zusammen mit meinem Vater gebaut habe. Als ich noch jünger war, haben wir ein paar historische Instrumente gebaut, unter anderem auch Clavichorde, und davon habe ich jetzt eins mitgenommen.

Da werden die Saiten nicht wie beim Klavier angeschlagen, sondern von unten mit einem kleinen Metallstift quasi abgetrennt. So wird die klingende Länge festgelegt. Es ist ein relativ leises Instrument und ist etwa nur einen Meter lang, 15 Zentimeter hoch und 30 Zentimeter tief.

Und was machst du nun genau bei Piano Sigrist?
Ich mache Kundenreparaturen in der Werkstatt und bin bei Kunden und Institutionen vor Ort zum Stimmen. Den „Piano on Fire“-Flügel habe ich z. B. fertig reguliert, gestimmt und intoniert.

Stimmen, Intonieren und den Kontakt mit Kunden mag ich sehr gerne. Die Abwechslung ist das, was den Beruf interessant macht und Freude bereitet. Es ist schön zu sehen, wie sich ein Instrument entwickelt, an Klangfarbe gewinnt und schön melodisch wird.
Ist dir irgendwas aufgefallen, was wir anders machen als andere Klaviergeschäfte?
Es ist vieles schon sehr ähnlich. Was ich ganz cool finde, und was ich so bis jetzt auch noch nie gesehen habe, war die Resonanzboden-Optimierung. Heute Morgen habe ich zufällig Léia dabei gesehen, wie sie noch mal einen Test gemacht hat, um zu prüfen, ob sich der Sand bei Vibration gleichmässig verteilt – das fand ich recht interessant.
Ist dir ein Instrument im Geschäft besonders ins Auge gefallen?
Generell favorisiere ich immer ein deutsches Klavier. Die deutschen sind meiner Meinung nach wärmer und runder vom Klang, während asiatische eher brillant klingen.
Den Mahagoni-Flügel Steinway No. 1 finde ich sehr cool. Das ist ein richtiger Hingucker – ich finde Mahagoni-Holz super schön, egal ob an Flügeln oder Möbeln. Mir fehlt nur das Können, ihn richtig zu spielen.
Wann sasst du denn das erste Mal am Klavier?
Wahrscheinlich recht früh bei meinen Eltern auf dem Schoss, weil wir zuhause immer ein Klavier hatten. Ich glaube, mit neun hatte ich dann Klavierunterricht. Davor kam der klassische Werdegang: erst Xylophon, dann Blockflöte und schliesslich Klavier. Momentan spiele ich eher selten.

Zuletzt – gibt es Outdoor-Pläne für den Herbst?
Ja, ein bisschen spazieren gehen, wandern, Rad fahren oder joggen. Bei mir hinterm Haus fangen gleich die Wiesen an, im Hintergrund die hohen Berge. Das war herrlich jetzt im Sommer, da hatten die Kühe ihre Glöckchen um. Da wohnen, wo andere Urlaub machen.

Sehr gerne bin ich am Wasser – am, im oder auf dem Wasser. Ich war mit Felix jetzt ein paar Mal Stand-up-Paddeln, das hat Spass gemacht.

Ich bin letztendlich mit viel Wasser in Bremen aufgewachsen. Am Wochenende sind wir öfter mal nach Cuxhaven gefahren. Das Wasser habe ich in Nürnberg etwas vermisst. Jetzt hier in der Schweiz sind direkt einige grossen Seen: der Zürichsee, der Walensee und der Pfäffikersee. Dann im Hintergrund die tollen Berge, die Weite des Himmels. Dieses Spiel von Wolken und Sonne in Kombination mit dem Wasser – das ist einfach schön.





