Beni erzählt

Schon zu Lebzeiten war Rosmarie Metzenthin eine Legende, dies nicht nur wegen des gleichnamigen Kindertheaters Metzenthin. Daheim veranstaltete sie immer wieder wunderbare Hauskonzerte. Vor so einem Konzert wurde ich angerufen, um ihren schon betagten Steinway-Flügel zu stimmen. Dort angekommen wurde mir von Rosmarie Metzenthin gleich gesagt, dass dann gegen den Schluss auch noch die Pianistin kommen werde, nämlich Eva Markus.

Ich staunte nicht schlecht, als Eva Markus mich gleich mit einer ganzen Anzahl von Anliegen anging, die sie bei diesem betagten Flügel hatte. Nach der Stimmung machte ich mich sogleich daran, all ihre – berechtigten – Wünsche zu erfüllen.

Das Resultat war, dass ich fortan auch ihren Flügel zu Hause pflegen durfte. Auch hier, wenn ich komme, liegt bereits ein Papier bereit, wo all die Anliegen neben der Stimmung enthalten sind. So gewöhnte ich mir seit längster Zeit an, immer auch Dinge zu beheben, welche die Kunden noch gar nicht bemerkt haben und die neben der ordentlichen Stimmung zusätzlich möglich sind.

Vor wenigen Jahren hatte Eva Markus die Möglichkeit, an einem neuen Domizil bei ihrem Partner, ein Instrument aufzustellen. Es musste ein Flügel sein. Naheliegend wäre ein neuer oder Occasion Flügel von Piano Sigrist gewesen. Finanzielle Gründe liessen dies jedoch nicht zu. So kam die Lösung mit einem Euterpe-Flügel, den ich besichtigt hatte. Dieser Flügel wurde von einer Schule abgeschoben, da unspielbar … scheinbar …!

Bei meinem ersten Besuch bei ihr für diesen ‘neuen’ Flügel, offenbarten sich Herausforderungen gleich reihenweise: Ich sah zum Beispiel, dass die Hämmer alle neben den Rillen darin auf die Saiten schlugen und deshalb einen quäkenden Ton erzeugten. Grund dazu war eine von einem ‘Techniker’ auf der linken Seite der Mechanik ‘eingebaute’ zusammengefaltete Jass Karte. Jass Karte weg, störende Spielgeräusche ebenso … Auch das Spielgewicht erzeugte bei Eva Markus mehr als Stirnrunzeln … Das Spielgewicht lag viel zu hoch, sodass das Tastengewicht völlig neu erstellt werden musste. So bekam ich bei jedem Stimmauftrag immer noch eine gute Liste mit den weiteren ‘To do Geschichten …’ 

Mit jeder Stimmung und den dazugehörigen Zetteln wurde der Flügel immer ansehnlicher im Spiel und Ton. Nun reifte bei Eva Markus der Plan, ein Hauskonzert zu veranstalten. So bestellte mich Eva für die Konzertstimmung wieder … mit dem beigelegten Zettel. Nach der Abarbeitung aller Wünsche erklang das Instrument in einem sehr erfreulichen Sound, zur Begeisterung der geladenen Verwandten und Freunde … und mir. 

6623